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Kommunismus 1. ökonomische Gesellschaftsformation, die auf dem gesellschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln beruht. In ihrer Entwicklung durchläuft die einheitliche kommunistische Gesellschaftsformation zwei Phasen: den Sozialismus und den Kommunismus. ...
Kleines Politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin 1988, S.500
Sozialismus ... erste (niedere) Phase der ökonomischen Gesellschaftsformation des Kommunismus, die auf dem gesellschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln, der politischen Herrschaft der Arbeiterklasse, dem Bündnis mit der Klasse der Genossenschaftsbauern, der Intelligenz und anderen werktätigen Schichten sowie auf der führenden Rolle der marxistisch-leninistischen Partei in der Gesellschaft beruht ...
Sozialismus und Kommunismus als zwei Phasen der kommunistischen Gesellschaftsformation
Gemeinsamkeiten
Die wichtigsten Gemeinsamkeiten beider Phasen der kommunistischen Formation sind:
das Ziel der Produktion: die immer bessere Befriedigung der wachsenden materiellen und geistigen Bedürfnisse der Werktätigen, die allseitige Entfaltung der Persönlichkeit, der Fähigkeiten und schöpferischen Aktivität aller Werktätigen,
die Herrschaft des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln, die Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen,
die Planmäßigkeit der Beziehungen zwischen den Menschen und Kollektiven in der Produktion, in der Verteilung, im Austausch und in der Konsumtion,
die Allgemeinheit der Arbeit, die Einbeziehung jedes arbeitsfähigen Mitglieds der Gesellschaft entsprechend seinen Fähigkeiten in den Arbeitsprozeß.
Das Prinzip „Jeder nach seinen Fähigkeiten" ist beiden Phasen der kommunistischen Gesellschaftsformation gemeinsam.
Unterschiede
Die beiden Phasen der kommunistischen Gesellschaftsformation unterscheiden sich zugleich durch einige wesentliche Züge:
durch beträchtliche Unterschiede im Entwicklungsstand der Produktivkräfte und im Niveau der Arbeitsproduktivität; durch Umfang und Struktur der materiell-technischen Basis;
durch die im Sozialismus bestehenden zwei Formen des sozialistischen Eigentums an den Produktionsmitteln, das gesamtgesellschaftliche Volkseigentum (das sozialistische staatliche Eigentum) und das sozialistische genossenschaftliche Eigentum bzw. kollektiv-wirtschaftliche Eigentum, während im Kommunismus das einheitliche kommunistische Eigentum an den Produktionsmitteln existieren wird;
durch die Existenz von Klassen und Schichten im Sozialismus, die Arbeiterklasse, die Klasse der Genossenschaftsbauern und die soziale Schicht der Intelligenz sowie weitere Gruppen von Werktätigen, die miteinander befreundet sind und im festen Bündnis unter Führung der marxistisch-leninistischen Partei ihre historische Aufgabe lösen, während der Kommunismus eine klassenlose Gesellschaft sein wird;
durch die im Sozialismus noch für einen längeren historischen Zeitraum existierenden wesentlichen Unterschiede zwischen Stadt und Land, zwischen geistiger und körperlicher Arbeit;
durch das im Sozialismus geltende Prinzip „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung“, während im Kommunismus die Arbeit erstes Lebensbedürfnis sein und das Prinzip „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ herrschen wird. ...
Der Aufbau des Sozialismus erfolgt nach allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten:
- Durchführung der proletarischen Revolution und Errichtung der Diktatur des Proletariats;
- Führung der werktätigen Massen durch die Arbeiterklasse und ihre marxistisch-leninistische Partei;
- Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft und den anderen werktätigen Schichten (siehe Bündnis-Politik);
- Beseitigung des kapitalistischen Eigentums und Herstellung des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln;
- planmäßige Entwicklung der Volkswirtschaft, die sich auf die Gestaltung des Sozialismus und Kommunismus, auf die ständige Erhöhung des materiellen und geistigen Lebensniveaus richtet;
- Revolution auf dem Gebiet der Ideologie und Kultur sowie die Herausbildung einer sozialistischen Intelligenz (siehe sozialistische Kulturrevolution);
- Beseitigung der nationalen Unterdrückung und Herstellung gleichberechtigter Beziehungen zwischen den Völkern;
- Zusammenschluss der sozialistischen Länder auf der Grundlage der Prinzipien des proletarischen Internationalismus;
- allseitige Zusammenarbeit, Angleichung des ökonomischen Entwicklungsniveaus der Länder der sozialistischen Gemeinschaft;
- Schutz der Errungenschaften des Sozialismus gegen die Anschläge äußerer und innerer Feinde.
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Karl Marx: Kritik des Gothaer Programms Randglossen zum Programm der deutschen Arbeiterpartei
Innerhalb der genossenschaftlichen, auf Gemeingut an den Produktionsmitteln gegründeten Gesellschaft tauschen die Produzenten ihre Produkte nicht aus; ebensowenig erscheint hier die auf Produkte verwandte Arbeit als Wert dieser Produkte, als eine von ihnen besessene sachliche Eigenschaft, da jetzt, im Gegensatz zur kapitalistischen Gesellschaft, die individuellen Arbeiten nicht mehr auf einem Umweg, sondern unmittelbar als Bestandteile der Gesamtarbeit existieren. Das Wort „Arbeitsertrag“, auch heutzutage wegen seiner Zweideutigkeit verwerflich, verliert so allen Sinn.
Womit wir es hier zu tun haben, ist eine kommunistische Gesellschaft, nicht wie sie sich auf ihrer eignen Grundlage entwickelt hat, sondern umgekehrt, wie sie eben aus der kapitalistischen Gesellschaft hervorgeht, also in jeder Beziehung, ökonomisch, sittlich, geistig, noch behaftet ist mit den Muttermalen der alten Gesellschaft, aus deren Schoß sie herkommt. Demgemäß erhält der einzelne Produzent – nach den Abzügen – exakt zurück, was er ihr gibt. Was er ihr gegeben hat, ist sein individuelles Arbeitsquantum. Z.B. der gesellschaftliche Arbeitstag besteht aus der Summe der individuellen Arbeitsstunden. Die individuelle Arbeitszeit des einzelnen Produzenten ist der von ihm gelieferte Teil des gesellschaftlichen Arbeitstags, sein Anteil daran. Er erhält von der Gesellschaft einen Schein, daß er soundso viel Arbeit geliefert (nach Abzug seiner Arbeit für die gemeinschaftlichen Fonds), und zieht mit diesem Schein aus dem gesellschaftlichen Vorrat von Konsumtionsmitteln soviel heraus, als gleich viel Arbeit kostet. Dasselbe Quantum Arbeit, das er der Gesellschaft in einer Form gegeben hat, erhält er in der andern zurück.
Es herrscht hier offenbar dasselbe Prinzip, das den Warenaustausch regelt, soweit er Austausch Gleichwertiger ist. Inhalt und Form sind verändert, weil unter den veränderten Umständen niemand etwas geben kann außer seiner Arbeit und weil andererseits nichts in das Eigentum der einzelnen übergehen kann außer individuellen Konsumtionsmitteln. Was aber die Verteilung der letzteren unter die einzelnen Produzenten betrifft, herrscht dasselbe Prinzip wie beim Austausch von Warenäquivalenten, es wird gleich viel Arbeit in einer Form gegen gleich viel Arbeit in einer andern ausgetauscht.
Das gleiche Recht ist hier daher immer noch – dem Prinzip nach – das bürgerliche Recht, obgleich Prinzip und Praxis sich nicht mehr in den Haaren liegen, während der Austausch von Äquivalenten beim Warenaustausch nur im Durchschnitt, nicht für den einzelnen Fall existiert.
Trotz dieses Fortschritts ist dieses gleiche Recht stets noch mit einer bürgerlichen Schranke behaftet. Das Recht der Produzenten ist ihren Arbeitslieferungen proportionell; die Gleichheit besteht darin, daß an gleichem Maßstab, der Arbeit, gemessen wird. Der eine ist aber physisch oder geistig dem andern überlegen, liefert also in derselben Zeit mehr Arbeit oder kann während mehr Zeit arbeiten; und die Arbeit, um als Maß zu dienen, muß der Ausdehnung oder der Intensität nach bestimmt werden, sonst hörte sie auf, Maßstab zu sein. Dies gleiche Recht ist ungleiches Recht für ungleiche Arbeit. Es erkennt keine Klassenunterschiede an, weil jeder nur Arbeiter ist wie der andre; aber es erkennt stillschweigend die ungleiche individuelle Begabung und daher Leistungsfähigkeit der Arbeiter [8] als natürliche Privilegien an. Es ist daher ein Recht der Ungleichheit, seinem Inhalt nach, wie alles Recht. Das Recht kann seiner Natur nach nur in Anwendung von gleichem Maßstab bestehn; aber die ungleichen Individuen (und sie wären nicht verschiedene Individuen, wenn sie nicht ungleiche wären) sind nur an gleichem Maßstab meßbar, soweit man sie unter einen gleichen Gesichtspunkt bringt, sie nur von einer bestimmten Seite faßt, z.B. im gegebnen Fall sie nur als Arbeiter betrachtet und weiter nichts in ihnen sieht, von allem andern absieht. Ferner: Ein Arbeiter ist verheiratet, der andre nicht; einer hat mehr Kinder als der andre etc. etc. Bei gleicher Arbeitsleistung und daher gleichem Anteil an dem gesellschaftlichen Konsumtionsfonds erhält also der eine faktisch mehr als der andre, ist der eine reicher als der andre etc. Um alle diese Mißstände zu vermeiden, müßte das Recht, statt gleich, vielmehr ungleich sein.
Aber diese Mißstände sind unvermeidbar in der ersten Phase der kommunistischen Gesellschaft, wie sie eben aus der kapitalistischen Gesellschaft nach langen Geburtswehen hervorgegangen ist. Das Recht kann nie höher sein als die ökonomische Gestaltung und dadurch bedingte Kulturentwicklung der Gesellschaft.
In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch ihre Produktivkräfte gewachsen und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen – erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!
Kommunismus ... 2. höhere Phase der einheitlichen kommunistischen Gesellschaftsformation; der Kommunismus ist die klassenlose Gesellschaftsordnung, in der Produktionsmittel einheitliches Volkseigentum und alle Mitglieder der Gesellschaft sozial gleichgestellt sind, in der alle Mitglieder der Gesellschaft ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten allseitig entwickeln und zum Wohle der Gemeinschaft einsetzen. ...
Kleines Politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin 1988, S.500
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